Fr. Dez 2nd, 2022

Eine Rede halten. Einen Fremden ansprechen. Eine öffentliche Toilette benutzen – die Situationen, in denen Menschen mit sozialen Phobien leiden, sind vielfältig. Hilfe bietet die Verhaltenstherapeutische Ambulanz der Justus-Liebig-Universität (JLU). Dort werden Gruppentherapien angeboten, in denen Betroffene sich ihren Ängsten in geschütztem Rahmen stellen können, um mit Therapeuten und anderen Teilnehmern zu Lösungsansätzen zu kommen.

„Seit April bieten wir die Zusatzqualifikation zum Gruppentherapeuten an“, berichtet Dr. Sebastian Pilgramm. Im Gespräch mit dem Anzeiger verweist er auf grundsätzlich lange Wartezeiten bei Psychotherapien, denen mit dem Gruppenangebot auch begegnet werde. Spezifisch wolle man sich dabei in der Ambulanz jetzt den sozialen Phobien zuwenden, in Gruppen mit sechs Patienten und zwei Therapeuten. Ursprung dieser Phobien seien Bewertungsängste, erläutert Kollegin Sabine Kagerer. Und deren Wurzeln können vielfältig sein. Sie reichen von sozialen Traumata etwa durch heftige Zurückweisung beim ersten Datingversuch über häufige Schulwechsel bis zu harter Kritik etwa durch Eltern oder Lehrer. Die Konsequenzen sind unter Umständen erheblich: „Der ‚Klassiker‘ in einer Universitätsstadt wie Gießen ist die Angst, im Seminar ein Referat halten zu müssen“, meint Pilgramm. Betroffene wichen häufig auf das Schreiben von Hausarbeiten aus, doch am Ende des Studiums stehe die mündliche Prüfung, sodass die gefürchtete Situation dann doch unausweichlich ist. Manche Studenten gerieten dadurch in zeitlichen Rückstand: „Eine solche Angst kann das Studium unnötig in die Länge ziehen“, betont Kagerer.

Wer selbst in einer solchen oder ähnlichen Situation steckt und Abhilfe schaffen möchte, kann Kontakt mit der Ambulanz aufnehmen. Und an einer Gruppentherapie teilnehmen, an deren Anfang einige diagnostische Einzelgespräche stehen.

Zwölf Gruppentermine mit jeweils zweieinhalb Zeitstunden schließen sich an. Dieser zeitliche Umfang biete die Möglichkeit, Angstsituationen in der Gruppe auch in Rollen durchzuspielen und anschließend zu besprechen. „Die Teilnehmer sollten mindestens 18 Jahre alt sein“, so Kagerer. Aus den Gruppentherapien könnte sich möglicherweise ein längerfristiges Forschungsprojekt entwickeln. Wer an einer Gruppe teilnehmen möchte, kann mittwochs zwischen 10 und 12 Uhr Kontakt mit der Ambulanz unter der Telefonnummer 0641/2093301 aufnehmen. Oder eine Mail schreiben an: Sebastian.Pilgramm@psychol.uni-giessen.de.

Von Sebastian

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