Do. Aug 11th, 2022

Das Erst-Erkrankungsalter für die verschiedenen Angststörungen liegt zwischen 7 und 24 Jahren – also treten sie im höheren Alter kaum noch auf?
Doch, durchaus. Diese Zahlen markieren nur das erstmalige Auftreten der Krankheit und stellen zudem einen Durchschnittswert dar. Meist tritt die Krankheit also in diesem Alter erstmals auf, aber etwa gerade isolierte Phobien – übertriebene Ängste vor bestimmten Dingen, Situationen, Handlungen oder Gegenständen – können durchaus auch im höheren Lebensalter erstmals auftreten.

Wie hoch ist denn die Rückfallquote bei behandelten Patienten?
Die Erfolgsquote der therapeutischen Behandlungen liegt bei 45 bis 65 Prozent. Bei der Rückfallquote gibt es eine sehr große Variabilität. Aber es ist davon auszugehen, dass die meisten der Patienten sehr positiv auf diese Behandlung ansprechen. Genaue Zahlen gibt es dazu nicht.

Können Angstattacken auch über längere Zeit Tag und Nacht anhalten, etwa Schwindelanfälle?
Es kommt auf die Unterform an. Wenn Sie andauernde Symptome haben, wäre zu prüfen, ob es sich beispielsweise um eine generalisierte Angst handelt oder um andere Formen, die auch mit körperlichen Missempfindungen einhergehen.

Wie schwer oder wie leicht ist es denn, allein, also ohne fremde Hilfe, aus dem Teufelskreis der Angst auszubrechen?
Konkrete Zahlen gibt es dazu leider nicht, denn gerade im psychotherapeutischen Bereich ist es sehr schwer, die Wirksamkeit und Effizienz in Zahlen auszudrücken. Und von daher ist schwer zu ermitteln, wie viele Menschen es ohne und wie viele es mit Hilfe schaffen, die Angst vor der Angst zu besiegen.
Allein muss man ja nicht bleiben, auch wenn man sich nicht in therapeutische Behandlung begibt. Es gibt ja beispielsweise viele aktive Selbsthilfegruppen, in denen Betroffene anderen Menschen ihre Hilfe anbieten. Kontaktadressen finden sich bei den Gesundheitsämtern.

Sie sprachen vorhin verschiedene Entspannungstechniken an. Was halten Sie von Yoga?
In unserer Klinik stehen wir dem Thema sehr offen gegenüber. Die Übungen sollten aber eine gewisse Struktur haben – und nach geraumer Zeit sollte sich auch ein Erfolg einstellen. Viele Kliniken setzen neben Yoga auch auf das autogene Training und andere Formen, da ist die Psychiatrie nicht eingeengt.

Welche Wirkung haben die oft belächelten Musik- oder Kunsttherapien?
Die Wirkung ist, wie bereits erwähnt, schwer in Zahlen auszudrücken. Keine Studie hat bisher nach streng wissenschaftlichen Kriterien das erfasst. Aber es gibt einen sogenannten Expertenkonsens aller in der Psychiatrie tätigen Kollegen. Die Kurse sind wichtiger Bestandteil der Physiotherapie, das sind jetzt keine zufälligen Angebote gegen die Langeweile. Sondern sie sollen vernachlässigte Ressourcen wecken, die dazu dienen, Sicherheiten im Alltag zu gewinnen, Defizite zu kompensieren. Diese Therapien haben für uns einen hohen Stellenwert.

Was ist der Unterschied zwischen Angststörung und Depression?
Depressionen gehen häufig mit Angst einher. Angst aber kann Folge einer Depression sein. Es gibt Mischformen mit Symptomen beider Erkrankungen.

Spielt bei der Entstehung von Ängsten im Kindesalter Gewalt im Fernsehen eine Rolle?
Da sind mir keine belastbaren Daten bekannt, dass das eine das andere fördert.

Unterscheidet sich die Angststörung bei einem 30- und einem 70-Jährigen?
Die Symptome und Kriterien sind altersunabhängig. Die Auswirkungen auf den Körper beziehungsweise die Wahl der Therapie sind bei einem 30-Jährigen natürlich andere als bei einem 70-Jährigen?

Spielt die soziale Herkunft bei Angststörungen eine Rolle?
Da sind keine Zusammenhänge bekannt, die so eindeutig sind, dass sie als Grundlage dienen.

Quelle: http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/TA-Gesundheit-Therapeuten-helfen-beim-Ausbrechen-aus-dem-Teufelskreis-der-Angst-804711635

Von Sebastian

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