Mo. Nov 28th, 2022

Angststörungen können die Lebensqualität von Senioren erheblich beeinträchtigen. Unbehandelt verlaufen sie oft chronisch und können zu sozialem Rückzug sowie zu Depressionen, zu Medikamenten- oder zu Alkoholabhängigkeit führen. „Weil viele ältere Menschen sich scheuen, über ihre Ängste zu sprechen oder sie teilweise als natürlichen Bestandteil ihres Alterungsprozesses einschätzen, bleiben ihre Angsterkrankungen oft unbehandelt“, berichtet Priv.-Doz. Dr. Martin Haupt, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP), die ihren Sitz in Wiehl hat. „Zusätzlich äußern sich Ängste bei Senioren noch stärker über körperliche oft uncharakteristische Symptome als es bei jüngeren Menschen der Fall ist. So müssen hinter Schmerzen, Schwindel, Atemnot oder Schlafstörungen nicht immer Erkrankungen stecken, sondern es kann sich um unspezifische körperliche Zeichen von Angst handeln.

Betroffene und Angehörige bemerken zwar diese Beschwerden, führen sie aber auf die Begleitumstände des Lebensalters zurück.“ Der Umwelt fällt es auch weniger auf, wenn ältere Menschen angstbesetzten Situationen aus dem Weg gehen, da Senioren leistungsmäßig weniger gefordert sind. Auch gilt es als nicht ungewöhnlich, dass sie weniger soziale Kontakte haben und mehr zuhause bleiben. Hinter diesem Verhalten können sich aber soziale Phobien oder eine Agoraphobie verbergen.

Auch im fortgeschrittenen Lebensalter können Angsterkrankungen behandelt werden. „Betroffene sollten bei Ängsten, die ihre Lebensgestaltung einschränken, nicht zögern, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen“, rät Dr. Haupt. „Die besten Ansprechpartner sind Gerontopsychiater, die sich auf die Diagnostik und Behandlung von psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter spezialisiert haben. “Eine Klärung ist auch deshalb wichtig, weil die Ängste auch als so genannte Sekundärängste vorliegen können. „Symptome einer Angsterkrankung können auch durch körperliche Erkrankungen verursacht werden sowie durch Medikamente oder Neben- und
Wechselwirkungen von Arzneien“, erklärt der Experte. „Angstzustände bei alten Menschen können darüber hinaus im Zusammenhang mit Demenzen, Depressionen oder Substanzmissbrauch auftreten. Eine sorgfältige Diagnose, die auch mögliche organische Ursachen einbezieht, ist dann wichtig.“ Ältere Menschen können in gewissem Maße etwas dafür tun, um sich vor Angst im Alter zu schützen. „Regelmäßige körperliche Aktivität in Form von Sport, Bewegungsübungen und Sturztrainings können helfen, einen sichereres Körpergefühl zu entwickeln“, meint der Gerontopsychiater. „Dies ist auch günstig, um Sturzangst vorzubeugen, die für einen Teil älterer Menschen sehr einschränkend sein kann.“ Sich geistig fit zu halten – beispielsweise durch anregende Sozialkontakte, Volkshochschulkurse oder kulturelle Veranstaltungen – ist ebenso wichtig. Bei leichter Ängstlichkeit können Entspannungsübungen und auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe hilfreich sein.

Auch die Angehörigen können ältere Menschen dabei unterstützen, größtmögliche Selbstständigkeit zu bewahren, als Maßnahme gegen die Entwicklung von Angststörungen. Sie sollten darauf achten, dass sie die Selbständigkeit der Betroffenen nicht durch Überfürsorglichkeit vermindern. „Bemerken Angehörige bei älteren Menschen Ängste, sollten sie diese offen ansprechen und versuchen, den Betroffenen beizustehen. Sie können emotional unterstützen, Sicherheit vermitteln und den älteren Menschen helfen, eine sinnvolle Beschäftigung zu finden“, so Dr. Haupt. „Bei ausgeprägten Ängsten sollten sie Betroffene dazu ermutigen, sich an einen Facharzt zu wenden.“ Die vorherrschende Angststörung im Alter ist die generalisierte Angststörung, die durch anhaltende Sorgen oder Ängste charakterisiert ist, die viele Lebensbereiche umfassen und nicht auf bestimmte Situationen beschränkt ist. Häufig fällt sie mit einer Depression zusammen. Eine besondere Rolle spielen im Alter organbezogene Phobien, wie z.B. die Herzphobie (Herzangst). Dabei kommt es zu Herzangstattacken aufgrund der Befürchtung eines Herzstillstandes, ohne dass organisch eine Herzerkrankung feststellbar wäre.

Quelle: Monks – Ärzte im Netz

Von Sebastian

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