Mo. Nov 28th, 2022

Mindfucks sind Gedanken, mit denen wir uns das Leben schwer machen. Die Wissenschaftlerin und Autorin Petra Bock erklärt, wie sich die Kaskade der Selbstsabotagen stoppen lässt.
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Wenn Sie glauben, nicht mit dem Rauchen aufhören zu können, oder denken, «das mit dem Abnehmen klappt sowieso nicht», dann sind Sie Opfer eines Mindfucks geworden. Geht nicht, gibts nicht, findet Petra Bock, Doktor der Politikwissenschaft, Coach und Manangementberaterin. 20 Minuten Online hat mit der Autorin des Buchs «Mindfuck» über erfolgreiches Abspecken, vorweihnachtliche Phobien und andere Mindfucks gesprochen und erfahren, wie man sich der Selbstsabotage erfolgreich entziehen kann.

Mindfuck, oh garstig Wort! Was hat es damit auf sich?
Petra Bock:
Das ist eine Bezeichnung, die ich vor vielen Jahren im Gespräch mit einem Engländer aufgeschnappt hatte. Da ging es um verrückte Gedanken, die man sich manchmal macht und durch die man sich selbst blockiert. Mindfuck ist eigentlich ein seriöser cineastischer Begriff: Es geht dabei um das Unterscheiden von Fiktion und Realität im Film.

Was hat der Mindfuck mit unserer Realität zu tun?
Ähnlich wie im Film kreieren wir in unserem Leben eine Illusion, die nicht der Realität entspricht. Grundsätzlich geht es um mentale Selbstsabotage. Der Mindfuck beschreibt Denkstrategien, mit denen wir uns selbst behindern, uns runtermachen, negativ bewerten.

Warum tun wir das?
Manchmal, weil wir selbst in einer Sache noch keine erwachsene Perspektive eingenommen haben. Vieles aber ist auf Strukturen zurückzuführen, in denen unsere Grosseltern und Urgrosseltern lebten. Damals musste man sich selbst zurücknehmen, sich klein halten, Druck ertragen oder weitergeben, um in der Gesellschaft überleben zu können. Heute ist so eine Denkweise nicht mehr zeitgemäss.

Sie nennen in Ihrem Buch sieben Mindfuck-Arten. Können Sie eine näher beschreiben?
Da fällt mir jetzt spontan der Selbstverleugnungs-Mindfuck ein: Zum Beispiel, wenn ich mir kurz vor der Gehaltsverhandlung einrede, der Chef genehmigt mein gefordertes Gehalt sowieso nicht. Er hat bestimmt kein Interesse daran, mir mehr zu zahlen, das wird sicher alles schiefgehen und so weiter. Ein Klassiker! Dass Menschen vor allem gegen sich selbst verhandeln, höre ich oft.

Wer sich nicht behaupten kann oder immer zu allen nett ist, geht unter …
Ganz genau. Zum Egoschwein sollte man deshalb aber trotzdem nicht werden. Es geht vielmehr darum, selbst zu erkennen, wann es gut ist, sich auch einmal zurückzunehmen und wann es wichtig ist, eigene Interessen durchzusetzen.

Wie kann man das erreichen?
Der wichtigste Schritt überhaupt ist, sich mit Hilfe der verschiedenen Mindfuck-Arten selbst zu beobachten und beispielsweise festzustellen, dass man sich in bestimmten Situationen nicht wohlfühlt. So kann man gut nachvollziehen, was gerade im Kopf passiert. Indem wir uns schwierigen Lebenssituationen bewusst werden und wissen, dass wir falsche Denkstrategien anwenden, die uns nicht gut tun, verändern wir etwas zum Positiven.

Tönt überraschend einfach. Funktioniert das bei allen Mindfucks?
Es gibt auch hartnäckigere Mindfucks, die über Trigger funktionieren und denen wir uns manchmal wie ausgeliefert fühlen.

Zum Beispiel?
Der Weihnachts-Mindfuck, ein Konglomerat unterschiedlichster Mindfucks, die viele Menschen beschäftigen.

Was darf ich mir denn – bittschön – unter einem Weihnachts-Mindfuck vorstellen?
Hier gibt es gleich mehrere bekannte Phänomene, zum Beispiel die Angst vor der Begegnung mit der Familie oder die Frage: «Was ist, wenn meine Geschenke nicht gut ankommen? Werde ich während der Feiertage wieder von anderen kritisiert?» und so weiter. Viele Menschen geraten in eine für sie ungünstige Gefühlslage, wenn sie mit gewissen Personen konfrontiert werden. Dieses Unwohlsein wird regelrecht angetriggert und das lässt sich häufig nicht allein dadurch abschalten, dass man sich des Problems bewusst wird. Man wälzt es immer und immer wieder.

Welche Strategien können helfen, aus einer solchen Mindfuck-Schlaufe herauszukommen?
Bei einem akuten Mindfuck gibt es – teilweise auch sehr einfache – Techniken: Da genügt es manchmal schon, sich innerlich «stopp» zu sagen. Das funktioniert hervorragend. Oder man konzentriert sich auf einen oder mehrere Körperteile, zum Beispiel auf die Füsse und gleichzeitig auf den eigenen Atem. Die Schlaufe der Negativ-Gedanken kann so wirksam unterbrochen werden. Insgesamt ist es gut und einfacher als man denkt, sich neue Denkgewohnheiten anzueignen; zum Beispiel offen, neugierig und vertrauensvoll in eine Situation hinein zu gehen. Dann sind wir stark, flexibel und lernfähig und haben Freude am Leben.

Gibt es geschlechterspezifische Mindfucks?
Männer und Frauen haben tatsächlich ihre jeweiligen Methoden, sich selbst zu sabotieren. Diese Mindfucks sind klar sozial geprägt und konditioniert. Männer leiden oft am Druckmacher-Mindfuck. Sie denken häufig, sie müssten sich beweisen, glauben, der tollste Hecht sein zu müssen, obwohl sie sich gar nicht danach fühlen. Frauen leiden eher unter dem Selbstverleugnungs-Mindfuck.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch über dieses Thema zu schreiben?
Es begegnet mir täglich in meiner Arbeit mit meinen Klienten. Mittlerweile habe ich weit über 1000 Menschen gecoacht. Ich habe noch niemanden getroffen, der nicht mit Mindfucks zu tun hatte. Aber ich habe auch viel Erfahrung mit eigenen Mindfucks gemacht, zum Beispiel mit starkem Übergewicht. Über mehrere Jahre wog ich über 100 Kilo und dachte, ich würde für immer dick bleiben. Dann habe ich 43 Kilogramm abgenommen.

Ihr Erfolgsrezept?
Anstatt mir Mantra-artig einzureden: «Du schaffst das nie!», was ich zuvor immer wieder tat, setzte ich auf Selbstverantwortung. Ich machte mir bewusst, dass ich als erwachsener Mensch jederzeit in der Lage bin zu entscheiden, was und wie ich esse. Dann habe ich mit einer Ernährungsumstellung begonnen und war beziehungsweise bin damit sehr erfolgreich.

In Coaching-Seminaren lehren Sie unter anderem, sich nicht selbst zu überfordern. Trotzdem haben Sie parallel zu Ihrem Berufsalltag bereits fünf Bücher geschrieben. Wie passt das zusammen?
Fürs Bücherschreiben nehme ich mir regelmässig Auszeiten an schönen Orten, an denen ich abschalte und alles ordne und verarbeite. Das entspannt mich. Ich musste bereits in jungen Jahren lernen, mich nicht zu überfordern. Ausserdem ist das, was ich heute tue, meine Berufung. Ich muss mich nicht ausbeuten, um glücklich zu sein.

Das liegt offenbar an Ihrem hohen Stundenansatz als Coach…
Richtig! Es war mir immer wichtig, ein gutes Honorar wert zu sein. Auch deshalb, um Freiräume für mich zu bekommen. Einige meiner Klienten kommen genau aus diesem Grund zu mir: Sie wollen lernen, wie man trotz kürzerer Arbeitszeiten mehr verdienen kann.

Quelle: 20min.ch

Von Sebastian

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