Winterdepression

DSC_0067Die Winterdepression oder saisonal-affektive Störung (auch SAD von Seasonal Affective Disorder; von der Jahreszeit abhängige emotionale Störung) ist eine depressive Störung, die in den Herbst- und Wintermonaten auftritt. Als Sonderform der affektiven Störungen ist sie im ICD-10 den rezidivierenden depressiven Störungen zugeordnet.

Neben den depressiven Symptomen einer bedrückten Stimmung, Reduzierung des Energieniveaus und Ängstlichkeit kommen für Depressionen atypische Symptome hinzu wie Verlängerung der Schlafdauer, verstärkter Appetit auf Süßigkeiten (Kohlenhydratheißhunger) und Gewichtszunahme. Dagegen treten bei der saisonal unabhängigen Depression eher Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und Schlafverkürzung auf.

Ursachen
Als eine Ursache werden Störungen des biologischen Tagesrhythmus angenommen. Es bestehen hierzu unterschiedliche Annahmen. Eine besagt, dass die Symptomatik der SAD-Patienten in Zusammenhang mit dem Serotonin-Melatonin-Stoffwechsel steht. Lichteinfall auf die Netzhaut wirkt als Zeitgeber, indem es dort vermehrt Melanopsin bilden lässt. Das mittags vorherrschende kurzwellige (blau-betonte) Licht wirkt hierbei stark, das eher langwellige (rot-betonte) Licht der Abenddämmerung wenig. Unter dem Einfluss des Melanopsins senden spezielle fotosensitive Ganglienzellen Signale in das Gehirn, das darauf die innere Uhr des Organismus auf Tagesaktivität einstellt. In der Zirbeldrüse (Epiphyse) des Gehirns des Menschen befinden sich viele Serotonin produzierende Zellen. Im Rahmen der Tagesaktivierung schütten diese Zellen verstärkt Serotonin aus. Es wirkt stimmungsaufhellend. Dagegen wird die Bildung von Melatonin aus Tryptophan und Serotonin durch auf die Netzhaut des Auges gelangende Lichtreize gehemmt, so dass die Melatoninkonzentration des Gehirns tagsüber gering ist, nachts dagegen mit einem Maximum gegen drei Uhr morgens um ein Mehrfaches ansteigt. Es ist umstritten, ob Melatonin Depressionen auslöst, anerkannt ist aber, dass es das Schlafbedürfnis erhöht. Diesem täglichen (circadianen) Rhythmus überlagert sich mit zunehmendem Abstand von den Tropen ein jahreszeitlicher (saisonaler): Im Winter führen die in den höheren Breiten gegenüber dem Sommer längeren Dunkelphasen zu allgemein verringerten Serotonin- und erhöhten Melatonin-Werten. Daraus resultiert dann bei einigen Menschen die saisonale (winterliche) Depression. Die von der asaisonalen Depression abweichenden Symptome der Winterdepression (vermehrte Schlafneigung, erhöhter Appetit) lassen sich also mit einer tagsüber verminderten Serotonin- und erhöhten Melatoninproduktion erklären. Einige Wissenschaftler argumentieren, dass diese jahreszeitlichen Schwankungen ursprünglich keinen Krankheitswert hatten, sondern im Gegenteil eine wichtige Bedeutung für das Überleben der Gruppe gehabt haben könnten. Die Tatsache, dass der Organismus als Reaktion auf die kürzer werdenden Tage mit Schonung der eigenen Ressourcen (etwa durch vermehrten Schlaf) und Gewichtszunahme reagiert, war nach dieser Theorie ein überlebenswichtiger Vorteil. Problematisch sei dieser Mechanismus erst in der modernen westlichen Gesellschaft geworden, in der Ressourcen zu allen Jahreszeiten im Überfluss zur Verfügung stehen und Aktivität unabhängig von der Jahreszeit gefordert wird.

Ursächliche Behandlung
Durch Wiederherstellen der Zeitgeber für die Produktion von Serotonin und Melatonin kann der Winterdepression entgegengewirkt werden. Sinnvoll ist daher vor allem ausreichend Licht am frühen Morgen. Im Rahmen einer Lichttherapie reichen bereits wenige hundert Lux Lichteinfall auf die Netzhaut über ein bis zwei Stunden vor 6 Uhr morgens („in der Dämmerung“). Bei einem Abstand der Augen von der Lichtquelle von etwa 1 m erzeugt eine Lichtquelle heute im Handel verfügbarer hoher Energieeffizienz beispielsweise in LED- oder „Energiesparlampen“ bereits mit weniger als 10 Watt Energieverbrauch einen Lichtstrom (lumen), der einen solchen Lichteinfall auf die Netzhaut bewirkt. In Innenräumen mit üblicher Beleuchtung dagegen liegt der Lichteinfall auf die Netzhaut oft unter 100 lux. Erfolgt der Lichteinfall erst später am Morgen, wird offenbar zur Aufhellung der Stimmungslage ein Lichteinfall von mehreren tausend Lux benötigt. An einem Sommertag beträgt allerdings die Beleuchtungsstärke unter freiem Himmel etwa 100.000 lux. Um den Übergang in den Schlaf zu erleichtern, ist abends zu viel Licht zu meiden. Die Zufuhr von Serotonin scheidet als Maßnahme gegen die Winterdepression aus, weil es die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann.

Symptomatische Behandlung
Sollte eine ursächliche Behandlung nicht möglich sein, können ersatzweise die Symptome durch Antidepressiva behandelt werden.

So können industriell erzeugte Antidepressiva eingesetzt werden wie z. B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer oder atypische Antidepressiva wie der selektive Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer Bupropion.

In der Pflanzenheilkunde wird beispielsweise Rosenwurz zur Linderung der Symptome der Winterdepression angewandt.

Quelle: Wikipedia

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