Vermeiden, aber richtig!

Du sollst nicht vermeiden! Stell dich den Dingen! Solche Marschparolen bekommt man manchmal von Therapeuten, Ärzten und anderen Helfern zu hören. Sogesehen wird „vermeiden“ schnell als schlecht bewertet. 

Wenn man es sich mal genau anschaut, ist es ja so: Da gibt es eine Situation, die einem schwer fällt. Sie löst Ängste, Anspannung und Stress aus. Wer möchte schon gerne solche Gefühle? In der Regel keiner, und deshalb vermeidet man sie. 

Im Grunde ist das ja auch eine gute Sache, wir machen im Leben Erfahrungen, die schmerzlich sind und lernen, es auf eine bessere Weise zu machen, die keine Schmerzen verursacht. Wer sich z.B. mit dem Hammer auf die Finger haut, passt beim nächsten mal besser auf. Und keiner wird sagen: Vermeide nicht, hau dir gefälligst auf die Finger! 

Unbehagen zu vermeiden, macht also Sinn. Auch für unser seelisches Gleichgewicht kann das gut sein. Denn wer permanent unter starkem Stress steht, überfordert sich, wird krank, brennt aus oder verliert die Lust am Leben. Entspannung und angenehme Gefühle sind wichtig. 

Bei der Therapie von Ängsten ist es nun leider so, dass man nochmal in beängstigende Situationen hineingehen muss. Das alleine reicht natürlich nicht, aber mit guter therapeutischer Unterstützung findet man zu einem konstruktiven Leid: Etwas, was schwierig ist, was einen aber irgendwie weiterbringt. 

Ein einfaches Beispiel: Am Meer ins Wasser zu gehen, kann erstmal Überwindung kosten, weil das Wasser sich recht kalt anfühlt. Ist man erstmal drin, ist es irgendwie gut und man hat ein schönes Bade-Erlebnis. Ich hab also zuerst ein unangenehmes Gefühl auf mich genommen, um dann durch ein schönes Erlebnis dafür belohnt zu werden.

Quelle: Sopha- Dortmunder Selbsthilfe für Menschen mit sozialen Ängsten

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