Verarbeitung vor und nach einer sozialen Situation

– Antizipation  sozialer Situationen
Wenn Soziophobiker an ein bevorstehendes soziales Ereignis denken, bekommen sie starke Angst. Vor dem Ereignis überlegen sie genau, was alles passieren könnte. Ihre Gedanken werden bestimmt von Erinnerungen an vergangene Misserfolge, negative Vorstellungen, wie sie während des Ereignisses auf andere wirken werden, um die Erwartung, sich ungeschickt zu verhalten und abgelehnt  zu werden. Manchmal bewirkt dieses Grübeln, dass das Ereignis völlig vermieden wird. Wenn die Soziophobiker sich trotz ihrer Angst in die soziale Situation begebend, so befinden sie sich bereits in einem auf die eigene Person fokussierten Verarbeitungsmodus , erwarten Misserfolg, und werden mit geringer Wahrscheinlichkeit Hinweise beachten, dass anderen Menschen sie akzeptieren.

– Rückblick auf soziale Situationen 
Verlassen einer sozialen Situation beendet nicht zwangsläufig die damit verbunden negativen Gedanken und die Belastung. Zwar ist die unmittelbare soziale Gefahr beendet, und die Angst lässt deswegen nach. Da jedoch soziale Interaktionen in der Regel keine eindeutige Bestätigung der Akzeptanz durch andere beinhalten, kommt es häufig vor, dass Personen mit Sozialer Phobie iim Anschluss daran ein „Post-mortem“ (Rückblick) des Ereignisses durchführen. Hierbei wird das Ereignis noch einmal in allen Einzelheiten durchgegangen, wobei die Angstgefühle und negative Selbstwahrnehmung  in der Situation im Rückblick eine große Rolle spielen, da sie während der Situation detailliert verarbeitet und ins Gedächtnis aufgenommen wurden. Dies hat die negativen Konsequenz , dass der Rückblick durch die negative Selbstwahrnehmung bestimmt wird und die Interaktion viel negativer beurteilt wird, als sie in Wirklichkeit war. dies mag erklären, warum manche Personen mit Sozialer Phobie über ein Gefühl der Scham berichten, dass auch nach Abklingen der Angst noch besteht bleibt.

Ein weitere Aspekt der Informationsverarbeitung während des „Post-Mortem“ ist die Erinnerungen an frühere Misserfolge. Die jetzige Interaktion wird in die Serie vergangener Misserfolgserfahrungen eingereiht. In der Folge werden auch für einen Beobachter neutral erscheinende Interaktionen die Überzeug der Soziophobiker bestärken, sozial unangemessen zu sein. Schließlich können im Nachhinein relativ unbedeutende Aspekte der Interaktion negativ bewertet werden und zu anhaltendem Grübeln führen.  Zum Beispiel erwähnte ein Patient bei einem Abendessen mit Büffet, wie sehr er einen bestimmten Pudding mochte. Später am Abend höre er, wie die Gastgeberin sagte, dass sie diesen Pudding nicht mag. Beim Rückblick auf die Situation dachte der Patient, seine Bemerkung zeige, wie unkultiviert und wertlos er sei.

Auszug aus dem Buch,
Soziale Phobie und Soziale AngststörungPsychologische Grundlagen, Diagnostik und Therapie

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