Traurige Kindheit, wenn Mama oder Papa an Depressionen leiden

Die Mutter müht und plagt sich den ganzen Tag, die perfekte Mama zu sein. Im Beruf fühlt sich die Alleinerzieherin gemobbt und ausgebeutet, die Frau hat keine Lebenslust mehr, liegt das Wochenende nur noch auf der Couch. Die zwölfjährige Tochter ist in der Schule ein stilles Wasser, verkriecht sich zu Hause nur noch in ihrem Kinderzimmer, und das Zeugnis wird immer schlechter. Die Mutter hat keine Nerven mehr, wegen jeder Kleinigkeit setzt es Ohrfeigen für das Mädchen. Ein klarer Fall einer Depression, wie ihn Sonja Farkas, Psychotherapeutin und Geschäftsführerin des Kinderschutzzentrums „Wigwam“ in Steyr mit einer Filiale in Kirchdorf, kennt.

„Das Problem ist, dass Elternteile psychisch erkranken und behandelt werden, aber niemand danach fragt, ob auch Kinder betroffen sind“, sagt Sozialarbeiterin Britta Aicher bei „Wigwam“. Bei der Akutaufnahme in die Psychiatrie würde wohl die Krankengeschichte abgefragt, aber nicht die Familienverhältnisse. „Es geht nicht darum, dass psychisch kranke Menschen als Eltern nicht taugten oder nicht in Frage kämen“, sagt Farkas, „aber es gäbe eine Reihe von Hilfestellungen, die das Leben mit den Kindern erleichtern würden“. Zumal laut Statistik jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens von einer psychischen Erkrankung heimgesucht werde, handle es sich um ein Thema, das zwangsläufig auch Kinder betreffe.

Hilfe bei „Burn-out“

Im Kinderschutzzentrum hat man sich der Problematik in einem Schwerpunkt der Arbeit angenommen. Wenn die Kinder bei den Therapiestunden, bei denen sie in gelockerter Atmossphäre mit Stofftieren und Bausteinen spielen dürfen, psychische Probleme ihrer Eltern erwähnen, gehen die Berater eigens darauf ein. Die Hilfe kann dann ganz alltäglich sein. „Wenn eine Mutter etwa im Burn-out ist, dann kann schon die Vermittlung einer Haushaltshilfe viel Last nehmen“, sagt Ewald Staltner, Präsident des Trägervereines von „Wigwam“. Seitdem man in der Einrichtung hellhörig auf etwaige psychische Erkrankungen der Eltern geworden ist, haben sich auch die Therapieerfolge für die Kinder gebessert.

Insgesamt betreut das Kinderschutzzentrum in den Bezirken Steyr-Land, Kirchdorf und im Magistratsbereich Steyr derzeit 90 Familien, 13 weitere stehen auf einer Warteliste. „Wigwam“ wird dann eingeschaltet, wenn Verdacht besteht, dass Kinder Gewaltopfer geworden sind. Die Palette der Misshandlung reicht von seelischer Grausamkeit bis zu sexuellen Übergriffen. „Natürlich sind letztere schwere Fälle, die aber nur einen Teil unserer Arbeit ausmachen“, erklärt Staltner.

Manches Mal sind es auch aufmerksame Lehrer, die bemerken, dass eines ihrer Schulkinder mit einem Bündel an Kummer nicht mehr fertig wird. Dann läutet bei den „Wigwam“-Niederlassungen in Steyr und in Kirchdorf das Telefon. Die Kinder kommen dann auf Empfehlung freiwillig in die Behandlung oder auf eine Anweisung der Jugendwohlfahrt. Die psychologische Betreuung und alle anderen Hilfestellungen erfolgen von der Einrichtung völlig gratis.

Sponsoren fördern Verein

„Wigwam“ hat seine Arbeit im Jahr 1999 aufgenommen, besteht somit seit 15 Jahren. Die jungen Klienten sind mehrheitlich Mädchen vom Kindesalter bis zum 18. Lebensjahr. Seit eineinhalb Jahren betreibt „Wigwam“ eine Zweigstelle in Kirchdorf. „Wir streben an, dass wir die Öffnungszeit auf einen dritten Tag ausweiten“, sagt Staltner. Finanziert wird die Einrichtung aus Förderungen der Stadt Steyr, des Landes Oberösterreich und Bundesmitteln. Zehn Prozent des Budgets bringt der Trägerverein selbstständig über Sponsoren auf.

Quelle: nachrichten.at

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